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Gruppen befolgen Regeln weniger streng als Individuen

Wichtig ist nicht, wer entscheidet, sondern wer haftet. Geeignete Regeln für die Haftung können die Compliance in Gruppen erhöhen.

Woran liegt es, dass Gruppen Regeln und soziale Normen eher über Bord werfen? Und was kann man tun, um sie davon abzuhalten?

«Ein Vergleich zwischen individuellen und Teamentscheidungen zeigte zunächst: Teams sind auch angesichts einer möglichen Überprüfung unehrlicher als Individuen. Damit bestätigen die Ergebnisse die bisherige Forschung. Doch eine genauere Analyse, die auch die wirtschaftliche Verantwortlichkeit miteinbezog, barg eine überraschende Erkenntnis:

Ob über die Angabe im Team oder von einer Einzelperson entschieden wurde, hatte nur eine geringe, nicht signifikante Auswirkung auf den Regelverstoss. Stattdessen war die Frage der Haftung entscheidend: Wurden die möglichen Gewinne und Kosten aus unehrlichen Angaben im Team geteilt, führte dies zu signifikant unehrlicherem Verhalten.»

Teammitglieder sorgen sich vor allem um das Risiko einer Überprüfung und um die finanziellen Folgen ihrer Handlung. Im Laborexperiment spielten moralische Bedenken bezüglich einer unehrlichen Entscheidung und die Verletzung sozialer Normen nur eine Nebenrolle.

«Dass sich bei gemeinsamer Haftung aller Mitglieder, Teams unehrlicher verhalten als Individuen, könnte laut den Forschern zwei Ursachen haben:

Zum einen wiegt die moralische Verantwortung unter dem Deckmantel der Gruppe möglicherweise leichter. Schliesslich kann der oder die Einzelne seinen Fehltritt damit rechtfertigen, dass er ihn nicht (nur) für sich selbst, sondern für die Gruppe tat.

Zum anderen reduziert die gemeinsame Unehrlichkeit gewisse soziale Risiken. Geteiltes Leid ist halbes Leid: Das Bedauern darüber, dass eine andere Entscheidung möglicherweise zu höheren Erträgen geführt hätte, wiegt im Team vielleicht weniger stark, weil man mit dem Elend nicht allein dasteht. Wenn alle zu gleichen Teilen von einer Entscheidung profitieren, fällt der soziale Vergleich nicht zu Ungunsten der oder des einzelnen aus.»

Fazit: «Gruppen halten es mit dem Befolgen von Regeln, Normen und Gesetzen weniger streng als Individuen. Es sei denn, jede Person ist für die finanziellen Konsequenzen der Team-Entscheidung selbst verantwortlich.»

Quellen:Die Studie des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und öffentliche Finanzen vom Januar 2022 beantwortet die Frage, warum ein Regelbruch im Team leichter geht als allein und wie man Compliance, also die Regeltreue, fördern kann.

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