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STRATEGIE

Risikostrategien für Kleinunternehmen

Um Risiken bewusst eingehen bzw. selbst tragen zu können, müssen Kleinunternehmen selbst vorsorgen.

Wer unternehmerisch unterwegs ist, muss Risiken bewusst eingehen bzw. selbst tragen, wenn die damit verbundene Chance dies rechtfertigt. 

Deshalb dürfen Risiken nicht um jeden Preis minimiert werden. Gesucht ist das akzeptable Mass, ohne die Risikotragfähigkeit zu überschreiten.

Mit folgenden zwei Schritten können auch Kleinunternehmen eine praktikable Risikostrategie umsetzen.

Schritt 1: Aufteilung der Risiken in Kern- oder Randrisiken

Kernrisiken entstehen aus der Entwicklung und der Umsetzung der Unternehmensstrategie. Beispiele für Kleinunternehmen, je nach Strategie:

  • Neuproduktentwicklung: Fehlinvestitionen, Misserfolg, Fehleinschätzung der Kunden­bedürfnisse
  • IT: Phishing, Datenklau, Hacking
  • Abhängigkeit von einem Lieferanten: Preiserhöhungen und Lieferengpässe müssen hingenommen werden
  • Konkurrenz: Konkurrent hat bessere Kostenstrukturen und bietet dieselbe Dienstleistung billiger an, internationale Konkurrenz wird stärker
  • Nachfolgerisiko: Fortführung gefährdet, Know-how-Verlust
  • Kreditrisiko/Finanzierungsrisiko: fehlendes Wachstumskapital
  • Regulatorische Risiken: Gesetzesänderungen und Vorschriften
  • Innovationsrisiko: fehlende Pipeline
  • Geschäftsmodellrisiko: disruptive Technologien, Konsolidierung des Marktes auf wenige grosse Unternehmen
 

Andere Risiken, die für das Unternehmen nicht erfolgskritisch sind und nicht direkt mit den Erfolgspotenzialen zusammenhängen, werden als Randrisiken bezeichnet. Beispiele für Randrisiken können je nach Unternehmenskontext sein:

  • Währungsrisiken: je nach Märkten, in denen das Unternehmen primär operiert
  • Risiko aus Sachschäden: Erdbeben, Feuer, Wasser, Sturm
  • Risiko aus Haftpflichtschäden
  • Zinsrisiko
  • Debitorenrisiko
  • Schwundrisiko
  • Steuerrisiko
 

Schritt 2: Entscheidung über angemessene Risikostrategien

Suchen Sie nicht nur nach Massnahmen, um ein Risiko möglichst zu minimieren. Damit wird auch die entsprechende Chance eliminiert. Meist lohnen sich sorgfältige Chancen- Risiko-Überlegungen und der Einsatz verschiedener Risikostrategien, um das Risiko (und die Chance) zu optimieren, nicht zu minimieren.

Vermindern, Vorsorgen und Diversifizieren können meist sinnvoll kombiniert werden, um das Risiko auf ein sinnvolles Mass zu reduzieren.

Risikostrategien für Kernrisiken:

  • Risikovorsorge. Um Risiken bewusst eingehen bzw. selbst tragen zu können, weil die damit verbundene Chance dies rechtfertigt, müssen Kleinunternehmen vorsorgen. Das heisst konkret, dass etwaige Rückstellungen, das Eigenkapital oder die Liquidität das Eintreten eines pessimistischen Szenarios auffangen können.
  • Risikovorsorge. Falls sinnvoll, können zusätzlich zur Risikovorsorge risikomindernde Massnahmen eingesetzt werden.
  • Risikovermeidung und Verzicht. Unternehmen können bewusst darauf verzichten, ein bestimmtes Risiko einzugehen, wenn die damit verbundene Chance kleiner ist als das negative Szenario, oder die finanzielle Tragfähigkeit es nicht erlaubt, das Risiko einzugehen.
  • Risikodiversifikation.Eine weitere Risikostrategie ist die Verteilung eines Risikos auf mehrere Personen, Märkte, Regionen oder Produkte und Dienstleistungen.
 

Risikostrategien für Randrisiken:

  • Risikotransfer an Dritte. Viele Randrisiken können versichert werden, zum Beispiel über eine Versicherung oder werden über den Kapitalmarkt abgedeckt.
  • Risikoakzeptanz. Viele Risiken im Unternehmen lassen sich nicht sinnvoll eliminieren, vermindern oder an Dritte übertragen. Massnahmen zur Verminderung liessen sich vielleicht finden, der Aufwand und die Kosten rechtfertigen dies aber meistens nicht.

Quellen: «Risiken richtig steuern; Risikostrategien für Kleinunternehmen» Stefan Hunziker, Umgang mit Risiken, Mai 2017  

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