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Wenn’s keiner merkt – und trotzdem passiert: Kontrolllücken

Die unsichtbare Gefahr im IKS – und wie Organisationen blinde Flecken erkennen.

„Wir haben doch ein IKS – wie konnte das passieren?“ Diese Frage hört man oft nach internen Vorfällen, Zahlungsfehlern oder Compliance-Lücken. Die Antwort: Weil ein Internes Kontrollsystem (IKS) zwar eingeführt wurde, aber nicht gepflegt, nicht verstanden oder nie richtig durchdacht war. Kontrolllücken entstehen nicht aus Böswilligkeit – sondern aus Alltag, Bequemlichkeit, Rollenunklarheit oder Überforderung.

  1. Was sind Kontrolllücken – und woher kommen sie?

Kontrolllücken sind Schwachstellen im System, bei denen entweder:

  • keine Kontrolle definiert wurde (z.  weil ein Prozess nicht vollständig erfasst wurde),
  • eine definierte Kontrolle nicht umgesetzt wird (z.  wegen Personalmangel), oder
  • eine Kontrolle nicht wirksam ist, weil sie ignoriert oder umgangen wird.

Typische Ursachen:

  • Neue Abläufe (Digitalisierung, Outsourcing) ohne IKS-Anpassung
  • Verlassen auf Gewohnheit oder Personen („Das hat immer X gemacht“)
  • Nicht dokumentierte Prozesse bei kleinen Teams
  • „Papierkontrollen“, die nicht gelebt werden

Beispiel aus einer Gemeinde: Die Auszahlung von Subventionen erfolgte auf Basis eines alten Excel-Files. Eine Mitarbeiterin nutzte dies für fiktive Zahlungen. Das IKS sah zwar eine Prüfung vor – diese wurde aber nicht mehr durchgeführt, weil die prüfende Person in Pension ging und nie ersetzt wurde.

  1. Warum gerade kleine Organisationen besonders gefährdet sind

In KMU, Verwaltungen und Non-Profit-Institutionen ist oft wenig Redundanz vorhanden:

  • Eine Person hat viele Rollen (z.  Einkauf und Freigabe)
  • Stellvertretungen sind nur auf dem Papier geregelt
  • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen ist hoch

Das macht die Einrichtung eines IKS nicht überflüssig – sondern umso wichtiger. Nur ein bewusst gepflegtes Kontrollsystem kann verhindern, dass aus Alltag Risiko wird.

  1. Wie erkenne ich Kontrolllücken? (Checkliste)

Einige Kontrolllücken sind offensichtlich – andere nur durch systematische Reflexion erkennbar. Hier eine praxisnahe Checkliste für die Identifikation:

Prüffrage Hinweis auf eine mögliche Lücke
Gibt es Prozesse ohne klare Freigabe? Gefahr der Eigen-mächtigkeit
Gibt es Verantwortlich-keiten, die nie vertreten sind? Klare Abhängigkeit
Gibt es Kontrollen, die immer von derselben Person gemacht werden? Mangel an Vier-Augen-Prinzip
Gibt es Kontrollnach-weise, die nie überprüft werden? «Alibi-Kontrolle»
Wurden neue Tools/Prozesse seit Einführung nie ins IKS aufgenommen? Systembruch

Tipp: Machen Sie ein internes Kontroll-Mapping (z. B. auf A3), um zu sehen, wo Pflichten und Kontrollpunkte fehlen oder doppelt sind.

  1. Was tun? Praktische Ansätze zur Lückenerkennung und -schliessung
  2. A. Kontrolllandkarte erstellen

  • Prozessübersicht mit Kontrollpunkten
  • Wer kontrolliert was – wie oft – mit welchem Nachweis?
    B. Stichproben einführen
  • Besonders bei Selbstkontrollen (z.  Reisekosten, Zahlungen)
  • Durch eine unabhängige Stelle, z.  Administration oder Vorgesetzte
    C. Systematische IKS-Review jährlich durchführen
  • Werden alle Kontrollen noch benötigt?
  • Sind neue Risiken entstanden?
  • Wird wirklich kontrolliert – oder nur gemeldet?
    D. Technische Unterstützung nutzen
  • Automatisierte Erinnerungen für Kontrollpflichten
  • Digitale Checklisten statt Excel
  • Ampel-Reporting für offene Kontrollen
    E. Kontrollen vereinfachen, nicht vermehren
  • Lieber wenige, klare, wirksame Kontrollen als überladene Excelmonster
  • Fokus auf risikoorientierte Prüfung – nicht formale Erfüllung

Fazit: Ein IKS ist nie „fertig“ – sondern ein lebendiges System

Kontrolllücken entstehen nicht über Nacht. Sie wachsen mit der Organisation – oder mit deren Nachlässigkeit. Wer sein IKS ernst nimmt, nimmt sich regelmässig Zeit für eine ehrliche Standortbestimmung. Die gute Nachricht: Die meisten Lücken lassen sich einfach schliessen – wenn man sie kennt.

Quellen:

  1. swissaxis AG (2024): IKS Review-Workshops – Erkenntnisse aus 40 Projekten in KMU und Verwaltungen
  2. IIA Global (2023): Internal Controls – The Foundation of Governance org
  3. NCSC Schweiz (2024): Organisatorische Schwachstellen in öffentlichen Stellen admin.ch
  4. KPMG (2022): IKS in der Praxis – Studienbericht DACH ch
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