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Riskmanagement & IKS News

Die zwei Wege zum wirksamen IKS

Top-down und Bottom-up. Wie Organisationen den richtigen Einstieg finden, und warum beide Ansätze ihre Berechtigung haben.

Ein Internes Kontrollsystem (IKS) soll Risiken reduzieren, Vermögenswerte schützen und die Verlässlichkeit der Berichterstattung sicherstellen.

Doch in der Praxis stellt sich oft eine grundlegende Frage:

Wie baut man ein IKS überhaupt sinnvoll auf?

Grundsätzlich haben sich zwei Ansätze etabliert:

  • der Top-down Ansatz (risikobasiert)
  • der Bottom-up Ansatz (praxisbasiert)

Beide führen zum Ziel – aber auf unterschiedlichen Wegen.

  1. Der Top-down Ansatz: Vom Risiko zur Kontrolle

Der klassische Ansatz beginnt mit einem strukturierten Risikomanagementprozess.

Risiken werden systematisch identifiziert, bewertet und typischerweise in drei Kategorien eingeteilt:

  • Strategische Risiken
  • Externe Risiken
  • Vermeidbare Risiken

Die Logik ist klar:

  • Strategische Risiken werden bewusst eingegangen.
  • Externe Risiken werden beobachtet und mitigiert.
  • Vermeidbare Risiken werden durch Kontrollen reduziert – und bilden die Grundlage des IKS.

Das IKS entsteht somit als direkte Ableitung aus den relevanten Risiken.

Vorteile des Top-down Ansatzes:

  • Klare Risikoorientierung
  • Fokus auf wesentliche Risiken
  • Saubere Trennung von Risk Management und IKS
  • Gute Grundlage für Leitungsorgane

Herausforderungen:

  • Hoher Initialaufwand (Workshops, Analysen)
  • Abhängigkeit von Qualität der Risikobewertung
  • Schwieriger Einstieg für Organisationen ohne RM-Erfahrung

  1. Der Bottom-up Ansatz: Von der Praxis zur Struktur

Der Bottom-up Ansatz geht den umgekehrten Weg.

Statt bei der Risikoanalyse zu beginnen, startet man bei den

  bestehenden Prozessen und Kontrollen:

  • Finanzprozesse
  • Personalprozesse
  • IT- und operative Abläufe

Bewährte Schlüsselkontrollen werden identifiziert, mit den Fachbereichen abgestimmt und zu einem Kontrollplan zusammengeführt.

Vorteile des Bottom-up-Ansatzes:

  • Schneller Einstieg
  • Hohe Praxisnähe
  • Gute Akzeptanz in den Fachbereichen
  • Geringer initialer Aufwand

Herausforderungen:

  • Gefahr von blinden Flecken (nicht erkannte Risiken)
  • Weniger strategische Perspektive
  • Risiko der „Kontrollsammlung ohne Priorisierung“











  1. Gegenüberstellung der beiden Ansätze

Kriterium

Top-Down

Bottom-up

Startpunkt

Risiko-analyse

bestehende Prozesse

Fokus

alle Risiken

vermeid-bare Risiken

Geschwin-digkeit

langsamer

schnell

Tiefe

strategisch fundiert

operativ geprägt

Risikoab-deckung

hoch (bei guter Analyse)

Minimum

Akzeptanz

mittel

hoch

  1. Was bedeutet das für die Praxis?

Die entscheidende Erkenntnis:

Es gibt nicht den einen richtigen Ansatz.

Sondern:

Der richtige Ansatz hängt von der Ausgangslage der Organisation ab.

Typische Szenarien:

  • KMU / Gemeinden ohne IKS

→ Bottom-up als pragmatischer Einstieg

  • Organisationen mit RM-Erfahrung

→ Top-down für gezielte Steuerung

  • Weiterentwicklung bestehender Systeme

→ Kombination beider Ansätze

  1. Der entscheidende Punkt: Kombination statt Entscheidung

In der Praxis zeigt sich:

Die wirksamsten Systeme entstehen nicht durch ein Entweder-oder, sondern durch ein bewusstes Zusammenspiel beider Ansätze.

Ein mögliches Vorgehen:

  1. Bottom-up starten

→ schnelle Umsetzung, erste Struktur

  1. Top-down ergänzen

→ Priorisierung, Schliessen von Lücken

  1. Beides zusammenführen

→ fokussiertes, gelebtes IKS

So entsteht ein System, das

  • im Alltag funktioniert,
  • Risiken gezielt adressiert,
  • von der Organisation getragen wird.

  1. Vom System zur Wirkung

Ein IKS ist nicht wirksam, weil es dokumentiert ist.

Es ist wirksam, wenn es gelebt wird.

Dazu braucht es drei Elemente:

  • eine klare Methode
  • verständliche und wirksame Kontrollen
  • eine operative Umsetzung im Alltag

Erst das Zusammenspiel dieser Elemente macht aus einem Kontrollplan ein Führungsinstrument.

Fazit: Der Weg ist entscheidend – aber nicht allein

Top-down bringt Klarheit.

Bottom-up bringt Umsetzung.

Die wirksamsten IKS entstehen, wenn beides zusammenkommt.

Organisationen, die diesen Zusammenhang verstehen, schaffen Systeme, die nicht nur bestehen – sondern funktionieren.

Quellen: Dieser Beitrag basiert auf dem McKinsey-Artikel «Six problem-solving mindsets for very uncertain times» vom September 2020. 

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