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Wie Leader denken (sollten)
In einer Zeit, in der Komplexität, Geschwindigkeit und Unsicherheit zunehmen, reicht es nicht mehr, einfach „gut zu denken“.
Führungskräfte von heute brauchen ein präzises Instrumentarium an Denkweisen – und müssen wissen, wann welche Denkweise sinnvoll ist. Zwei Beiträge der Harvard Business Review zeigen: Wirkungsvolle Leader beherrschen und fördern vier Denkmodi, die sich gezielt trainieren lassen.
- ExpertInnen-Denken – Wissen anwenden
ExpertInnen denken schnell, weil sie Muster erkennen. Ihre Entscheidungen beruhen auf langjähriger Erfahrung und tiefem Fachwissen. Wenn Zeitdruck herrscht oder Routineaufgaben zu lösen sind, ist ExpertInnen-Denken der effizienteste Modus.
Praxisbeispiel: Ein erfahrener Buchhalter erkennt auf den ersten Blick eine Unstimmigkeit in der Jahresrechnung – wo andere erst recherchieren müssten.
Wann nützlich?
- Bei klaren Regeln und bekannten Problemen
- Zur Effizienzsteigerung bei Routineprozessen
- Kritisches Denken – Annahmen hinterfragen
Wenn etwas nicht (mehr) funktioniert oder mehrere Experten sich widersprechen, braucht es kritisches Denken. Es hilft, Annahmen zu identifizieren und blinde Flecken aufzudecken – auch mit Hilfe von Perspektivwechseln und gezielten Fragen.
Praxisbeispiel: Statt über teure Umbauten wegen eines „langsamen Lifts“ zu diskutieren, fragt die Stadtverwaltung: „Ist das Problem wirklich die Liftgeschwindigkeit – oder eher die Wartezeitwahrnehmung?“.
Wann nützlich?
- Bei wiederkehrenden Problemen ohne nachhaltige Lösung
- Bei Entscheidungen mit hoher Tragweite
- Strategisches Denken – Mögliches erkennen
Strategisches Denken bedeutet, sich bewusst vom Tagesgeschäft zu lösen und das Mögliche zu erkunden: „Was könnte sein?“ statt „Was war schon immer so?“. Es eröffnet Raum für Visionen und Prioritäten jenseits von Ad-hoc-Entscheidungen.
Praxisbeispiel: Eine Stiftung plant ihr Budget nicht mehr rein historisch, sondern auf Basis gesellschaftlicher Trends zur Digitalisierung in der Bildung.
Wann nützlich?
- Bei der Jahresplanung, Budgetierung und Zielsetzung
- Zur Bewertung neuer Handlungsoptionen oder Partnerschaften
- Systemisches Denken – Zusammenhänge verstehen
Wer systemisch denkt, erkennt Wechselwirkungen. Statt nur auf Einzeleffekte zu achten, wird ein Problem als Teil eines Netzes aus Einflussfaktoren gesehen. Dabei helfen Visualisierungen (z. B. Wirkungsdiagramme, Stakeholder-Karten).
Praxisbeispiel: Eine Bäckerei spürt Umsatzrückgänge. Statt allein auf Marketing zu setzen, erkennt sie das Zusammenspiel aus Standortentwicklung, Kundenfrequenz und Online-Rezensionen.
Wann nützlich?
- Bei komplexen Veränderungsprozessen
- Für bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Governance-Fragen
Wie man als Leader denkt – und Denken lehrt
Die HBR-Autoren Grant & McCann betonen: Führung bedeutet nicht, alles selbst zu denken – sondern Denkweisen zu erkennen, einzusetzen und weiterzugeben. Das geschieht selten intuitiv. Führungskräfte müssen bewusst Rahmen schaffen:
- Strategische Reflexionsrunden: Regelmässige Gespräche zur langfristigen Ausrichtung
- Team-Debriefs mit Reframing-Fragen: „Was war hier eigentlich das Problem?“
- Visualisierungstools: Systeme sichtbar machen – z. Prozesskarten oder Ursache-Wirkungsdiagramme
- Denkvielfalt fördern: Unterschiedliche Sichtweisen (und Denkstile) bewusst einholen
Denn wie der Artikel treffend schliesst: Jede Denkweise wird im Team besser.
Fazit: Die Denk-Checkliste für moderne Führung
|
Denk- |
Typische |
Ideal bei… |
|
Expert- |
„Was ist hier das bewährte Vorgehen?“ |
Routinen, Standards, Fach- |
|
Krit-isches |
„Was übersehen wir gerade? Welche Annahmen gelten hier?“ |
Unsicher- |
|
Strate- |
„Was wäre möglich, wenn…?“ |
Jahres- |
|
System-isches |
„Was wirkt wie auf was? Wer beeinflusst wen?“ |
Komplexe Vorhaben, Governance, Ressour- |
Quellen:
• Heidi Grant & Shawn McCann (2025): The 4 Types of Thinking Leaders Need to Practice—and Teach. Harvard Business Review
• HBR Editors (2025): Our Favorite Management Tips on Strategic Thinking. Harvard Business Review
• Eigene Redaktion und Praxisfälle für KMU, NPO und Gemeinden
• OpenAI (2024). ChatGPT 4o. Unterstützt bei Struktur und Textgenerierung
